Du bist, was du isst!

„Du bist, was du isst“. Jeder von uns kennt diese Floskel. Das unser Essverhalten unsere Gesundheit beeinflusst, ist uns allen bewusst. Doch hinter dem Spruch steckt noch vielmehr: Denn unser Essverhalten zeigt auch, wie wir uns fühlen und wie unsere Beziehung zu uns und unserem Körper ist. Wie oft nehmen wir uns bewusst Zeit zum Essen? Und damit meine ich, wann wir wirklich ausschließlich essen, ohne nebenbei zu arbeiten, Auto zu fahren oder Fernseher zu schauen? Wie können wir mehr Achtsamkeit und Bewusstsein in unser Essverhalten bringen und inwiefern kann unser Umgang mit Ernährung unsere Selbstliebe stärken?

85% der Menschen sind unzufrieden mit ihren Essgewohnheiten. Auch unsere Umfrage über Instagram hat dieses Bild bestätigt. Woran kann das liegen? Wir bekommen von allen Seiten Ernährungstipps, um gesünder zu leben. Wir sollen abends keine Kohlenhydrate mehr essen, auf Zucker verzichten und trotz stressigem Alltag, möglichst ausgewogen und regelmäßig Essen. All die Meinungen darüber, was denn nun die richtige Ernährung ist, lassen uns verunsichern und sorgen dafür, dass wir immer verkopfter und angestrengt an das Thema Essen herangehen. Wir neigen dazu, Essen in gut und schlecht einzuteilen und erlegen uns Süßigkeiten- oder Fastfood- Verbote auf, die letztlich Heißhungerattacken und Frust bringen. Während wir damit beschäftigt sind, uns am Außen zu orientieren, verlieren wir dabei das Wesentliche: Nämlich das Vertrauen in uns und unser Körpergefühl. Denn unser Körper weiß sehr wohl, was ihm gut tut und was nicht. Wie können wir uns wieder mehr auf unser Inneres fokussieren und darauf vertrauen? Wie können wir beim Thema Essen mehr Bewusstsein und Achtsamkeit schaffen?

Bei dem Ansatz „achtsam“ zu essen, geht es darum, unser Verhältnis zum Essen offen und wertfrei zu erforschen und wieder mehr Genuss in unser Essverhalten zu bringen. Das Ziel ist es, mehr auf unser natürliches Körpergefühl von Hunger und Sättigung zu vertrauen statt auf Diäten und Kalorientabellen. Die folgenden Fragen können uns dabei helfen, achtsames essen zu trainieren.

  1. Wann und warum esse ich? Knurrt mein Magen? Ist mir langweilig? Möchte ich mich damit trösten?
  2. Was tut mir gut beim Essen? Wie verträgt mein Körper bestimmtes essen? Fühle ich mich hinterher schlapp oder voller Energie? Gibt es Unterschiede, je nachdem was ich esse oder wie schnell ich esse?
  3. Woran merke ich, dass ich Hunger habe? An welchen Stellen in meinem Körper verspüre ich Hunger? Wie fühlt es sich an? Werde ich unkonzentriert, launisch?
  4. Woran merke ich, dass ich satt bin? Fühlt sich der Bauch voll an? Verliere ich die Lust am Essen? Höre ich auf wenn ich satt bin oder esse ich weiter, weil der Teller noch nicht leer ist?
  5. Welche Gefühle und Gedanken verbinde ich mit dem Essen? Kann ich es genießen? Habe ich ein schlechtes Gewissen? Fokussier ich mich aufs Essen oder habe ich tausend andere Dinge im Kopf?

Widmen wir uns diesen Fragen mit Offenheit und Neugier, können wir unsere Selbstwahrnehmung trainieren und Experten für unseren Körper werden. Wir können selbst herausfinden, was ihm gut tut, statt die Antwort darauf im Außen zu suchen. Wenn wir also beim nächsten Filmabend zu Chips und Gummibärchen greifen, lasst sie uns achtsam essen. Wie fühlen sie sich an? Wie (lange) schmecken sie? Verlieren sie nach einer Weile vielleicht den Geschmack und wir essen automatisch weiter?

Sich achtsam und bewusst zu ernähren, bedeutet auch, dass wir uns Zeit einräumen, in der wir wirklich NUR essen. Nur so können wir unser Essverhalten neu entdecken und wieder mehr Genuss in unsere Ernährung bringen. Was wir hierfür brauchen? Selbstliebe. Denn wir müssen es uns selbst wert sein, unserem Körper und unserer Gesundheit etwas Gutes zu tun.

Abschließend widmen wir uns wieder unseren kleinen Geschöpfen. Wie können wir unsere Kinder darin begleiten und bestärken, dass sie ein natürliches Körpergefühl und ein gesundes und bewusstes Verhältnis zu Essen entwickeln?

  • Hört auf eure Kinder, wenn sie euch mitteilen, dass sie satt sind und lasst sie nicht aus Prinzip den Teller leer essen. Wie sollen sie sonst lernen, ihr Sättigungsgefühl ernst zu nehmen?
  • Redet mit euren Kindern über das Essen. Lasst es sie mit allen Sinnen erfahren. Das hilft vor allem wenn ihr wollt, dass sie etwas Neues probieren. Wie sieht es aus? Wie fühlt es sich an? Wie schmeckt es? Wie riecht es? Lasst es sie erforschen.
  • Eine tolle Regel ist übrigens: Das Kinder alles probieren dürfen und sie danach selbst entscheiden können, ob es ihnen schmeckt oder nicht. Auch hier ist es wichtig, die Meinung der Kleinen erstzunehmen.
  • Thematisiert mit euren Kindern, wo Lebensmittel herkommen. Wie werden sie hergestellt? Wachsen sie in der Natur oder kommen sie aus einer Fabrik? Achtung: Hier würde ich nicht zu sehr ins Detail gehen. Ein Zwiejähriges muss nicht wissen, dass Schweine oder Kühe teilweise qualvoll gehalten werden. Sowas kann ein kleines Kind nicht verarbeiten. Trotzdem ist es ratsam ein realistisches Bild zu vermitteln.
  • Integriert Obst und Gemüse in den Alltag eurer Kinder und macht es ihnen schmackhaft. Erklärt ihnen, dass sie Vitamine brauchen, um gesund zu bleiben und stark zu sein. Sowas findet jedes Kind toll.
  • Überlegt euch einen sinnvollen Umgang mit Süßigkeiten, denn meist sind Dinge noch spannender, wenn sie verboten sind. Beispiel: Nach jeder Mahlzeit, gibt es einen kleinen Nachtisch.
  • Nehmt euch gemeinsam Zeit für das Essen. Gemeinsame Mahlzeiten sind sehr wertvoll, da ihr die Zeit super für einen Austausch über euren Tag nutzen könnt.
  • Seid ein Vorbild für eure Kider, indem ihr euch bewusst Zeit zum Essen nehmt, ohne nebenbei zehn andere Dinge zu erledigen.
  • Kleiner Tipp: Schneidet morgens einen Obstteller, stellt diesen auf den Esstisch, sodass eure Kinder den ganzen Tag über zugreifen dürfen. Kinder entwickeln so ein eigenständiges Bedürfnis für Gesundes.
  • Räumt euren Kindern eine Schublade ein mit Kindergeschirr & Besteck, an die sie selbständig rankommen. Wenn Kinder souverän laufen können, steht dem gemeinsamen Tisch decken nichts im Wege. Auch hier ist es toll für Kinder, an einem Tisch zu sitzen, den sie mit gedeckt haben. Das gemeinsame Essen gewinnt so enorm an Bedeutung.
  • Und zuletzt: Beobachtet genau, wie ihr im Beisein eurer Kinder über das Essen sprecht. "Das ist ja ekelhaft.." oder "Davon werde ich nur fett." Sind alles Beispiele, die eure Kinder verinnerlichen und so ein schwieriges Bild von Essen bekommen.

Es gibt also eine Reihe an Ideen, wie wir Bewusstsein und Achtsamkeit in die Ernährung von uns und unseren Kindern bringen können. Da uns dieses Thema unser gesamtes Leben begleitet, kann es nur ein Gewinn für uns sein, wenn wir uns damit auseinanderzusetzen. Probiert es gerne mal aus :)

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