Kommunikation mit Kindern

Papa und Sohn, Strand, Kommunikation, Urlaub, Gemeinsam Reisen, Familienleben

„Kinder machen nicht das, was wir sagen, sondern das, was wir tun.“ – Jasper Juul

„Trödel nicht so rum!“, „Lass mich das lieber machen!“, „Stell dich nicht so an!“ – alles Sätze die uns sicherlich bekannt vorkommen, weil wir sie als Kind selbst schon einmal gehört oder gegenüber unseren Kindern kommuniziert haben. Was lösen solche Sätze in Kinderohren aus und was macht die Kommunikation mit Kindern für uns Erwachsene manchmal zur Herausforderung? In unserem heutigen Blogbeitrag wollen wir uns mit genau diesen Fragen beschäftigen und uns anschauen, wie wir altersgerecht und gewaltfrei mit Kindern kommunizieren können.

Was uns die Kommunikation mit Kindern erschwert

Kommunikation ist einer der wichtigsten Grundlagen zwischenmenschlicher Interaktion. Kinder sind bereits im Mutterleib mit Sprache konfrontiert und nehmen unsere Gespräche und deren Atmosphäre wahr. Die Art und Weise, wie wir mit unseren Kindern kommunizieren, hat großen Einfluss auf sie und ihre persönliche Entwicklung. Denn wie wir mit ihnen umgehen, prägt die Qualität unserer Beziehung und beeinflusst auch, ob unsere Kinder eher Selbstwert oder Minderwertigkeit entwickeln.

Manchmal können Worte verletzen, Schaden anrichten und Widerstand erzeugen. Wenn wir uns die Anfangssätze nochmal durchlesen – was lösen sie in uns aus? Was würden wir empfinden, wenn wir so angesprochen werden? Wir wären vermutlich verärgert, verletzt und würden uns rechtfertigen wollen. Genau die gleichen Gefühle verspüren auch unsere Kinder, wenn wir so mit ihnen sprechen. Kaum ein Kind wird nach solchen Worten freudig anfangen aufzuräumen oder sich beeilen. Vielmehr gehen sie in einen Verteidigungsmodus und leisten Widerstand - und das zu recht. Trotzdem sind solche Sätze keine Seltenheit. Denn in unserer Gesellschaft herrscht immer noch die Vorstellung davon, dass Kinder zu funktionieren haben. Doch warum tun Kinder nicht immer das was wir ihnen sagen? Kinder sind von Natur aus weder frech noch unkooperativ. Es liegt nicht in ihrer menschlichen Natur Konflikte extra zu erzeugen – denn das widerspricht unserem Überlebensinstinkt. Wir sind soziale Wesen und streben grundsätzlich nach Harmonie. Doch oftmals steht diesem Harmoniebedürfnis der kindliche Drang nach Selbstbestimmung entgegen, der sich in der Autonomiephase entwickelt. Er sorgt dafür, dass sich Kinder durch uns bevormundet, eingeschränkt, nicht ernst genommen oder unter Druck gesetzt fühlen können.

Was tragen wir als Erwachsene dazu bei, die Kommunikation mit Kindern zu erschweren?

  • Fehlende Präsenz & Klarheit: wir sind gestresst, in Gedanken versunken, hängen am Handy und nehmen uns nicht genug Zeit für die Kommunikation.
  • Eigene Emotionen: wir sind wütend, enttäuscht und tragen dies in die Kommunikation, ohne sie zu reflektieren.
  • Zu viele Worte: statt kurze, klare Sätze nutzen wir vollständige Erklärungen, obwohl Kinder mehr Zeit brauchen, um Informationen zu verarbeiten. Nur weil sie schon viele Wörter kennen, heißt es nicht, dass sie auch schon alle Zusammenhänge verstehen.
  • Erlernte Muster: wir greifen auf alte, erlernte Beziehungsmuster zurück, statt nach unseren Werten zu handeln und unsere Motive zu analysieren.
  • Unsere Außenwelt: wir handeln nach den Vorstellungen unserer Außenwelt, wollen das sich unsere Kinder „benehmen“ können, anstatt bei uns zu bleiben.
  • Unsachliche Kritik: wir formulieren Kritik unklar und vermitteln unseren Kindern nicht, dass wir sie trotz kritischer Momente bedingungslos lieben.
  • Beziehungs- /Kommunikationsabbruch: wir schweigen, ignorieren oder schicken unsere Kinder weg, was das Kind verunsichert, statt den Konflikt gemeinsam zu besprechen und / oder durchzustehen.

Kinder die immer wieder hören, dass sie nicht so laut, wild, frech oder sensibel sein sollen und dafür bestraft oder beschämt werden, hören, dass sie nicht so sein sollen wie sie sind. Sie lernen, dass sie sich ändern und negative Gefühle unterdrücken müssen, um geliebt zu werden.  Also ein Kind, dass mit dem Selbstwert aufwächst „Ich bin nicht gut, so wie ich bin!“ Dass sie sich keine Fehltritte erlauben dürfen. Dabei steckt hinter jedem kindlichen Verhalten immer ein Bedürfnis, dass es zu erkennen gilt und das ist gar nicht so einfach.

Was uns die Kommunikation mit Kindern erleichtert

Konflikte entstehen dort, wo unterschiedliche Bedürfnisse aufeinandertreffen. Wir als Eltern glauben, dass wir besser wüssten, was gut für unser Kind ist. Dabei sollten wir uns die Zeit nehmen, unseren Kindern zuzuhören und sie verstehen wollen. Wenn sie sich verstanden fühlen und wir auf ihre Bedürfnisse eingehen, verbessert sich auch ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden. Dabei kann uns eine bedürfnisorientierte Erziehung helfen. Gemeint ist damit nicht, dass Kinder alles selbst entscheiden und keine Grenzen existieren sollen. Wir dürfen Führung und Verantwortung übernehmen – aber in einem Rahmen, in dem Raum für Selbstbestimmung für unser Kind bleibt. Im Grunde ist es vergleichbar mit einer Beziehung die wir zu einem Partner eingehen. Wir entscheiden uns bewusst für einen anderen Menschen und wissen gleichzeitig, dass eine gemeinsame Beziehung Kompromisse, Gespräche auf Augenhöhe, Verständnis, viel Geduld und jede Menge Arbeit erfordert, damit ein gemeinsames Leben für alle beteiligten funktionieren und sich jeder wohlfühlen kann. Ähnlich verhält es sich mit unseren Kindern, mit dem entscheidenden Unterschied: Unsere Kinder hatten kein Mitspracherecht, ob sie sich auf diese gemeinsame Bindung einlassen wollen oder nicht. Wir Erwachsenen entscheiden schlussendlich alleine, ob wir uns ein Kind in unserem Leben vorstellen können oder nicht. Doch entscheiden wir uns bewusst FÜR ein Kind, dann sollte unser Ansatz nicht weniger Kompromissbereitschaft, bedingungslose Liebe, Kommunikation auf Augenhöhe und gegenseitiges Verständnis beinhalten, wie der den wir für unseren Lebenspartner auch eingehen. Ein JA zu unserem Kind und all seinen Facetten, Eigenschaften und Bedürfnissen.

Bedürfnisorientiert und altersgerecht mit unseren Kindern zu kommunizieren, bedeutet liebevoll, wertschätzend, rücksichtsvoll und gleichauf. All das finden wir in der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg. Sie ist ein Kommunikationsmodell, bei der Konflikte vorgebeugt und ein friedliches und respektvolles Miteinander gefördert werden sollen.

In der gewaltfreien Kommunikation ist kein Platz für:

  • Verurteilungen: „Wegen dir kommen wir zu spät!“
  • Bewertungen/Beleidigungen: „Du bist echt blöd!“
  • Verallgemeinerungen: „Dir muss man ständig hinterherräumen!“
  • Unterstellungen: „Du hast doch bestimmt wieder keine Hausaufgaben gemacht!“
  • Befehle: „„Räum jetzt dein Zimmer auf!“

Kinder haben grundsätzlich zwei Gründe, das zu tun was wir von ihnen verlangen: Aus Angst vor einer Konsequenz/ der Erwartung nach einer Belohnung oder aber aus Verbundenheit und Kooperationsbereitschaft uns gegenüber. Die gewaltfreie Kommunikation setz auf Letzteres und fokussiert hierfür folgende Aspekte:

  • Ich-Botschaften: Wenn wir in der Kommunikation über unsere eigenen Gefühle und Wahrnehmungen sprechen, also darüber was der Konflikt gerade in uns auslöst, können Kinder die Aussage leichter annehmen, als wenn wir einen Vorwurf formulieren. Kommt das Kind beispielweise zu spät nach Hause könnten wir sagen: „Ich habe Angst um dich, wenn du später heimkommst, als vereinbart“.
  • Präsent sein & Zuhören: Kinder spüren anhand unserer Körpersprache und dem Tonfall, ob wir aufmerksam sind und ernstes Interesse an dem Gespräch haben. Dies können wir durch aktives Zuhören vermitteln. Beim Zuhören können wir uns zurückzunehmen und einfach mal das Kind erzählen lassen. Denn meistens reagieren wir schnell mit Ratschlägen, Trost, Nachfragen oder Kritik. Gemeinsame Rituale, wie zusammen essen, können hier eine schöne Erzähl-Atmosphäre schaffen.
  • Kommunikation auf Augenhöhe: Unsere Kinder spüren, ob wir sie in ihren Bedürfnissen wahr- und ernst nehmen. Nähe, Körper- und Blickkontakt können uns dabei helfen, eine Verbindung aufzubauen und auch mehr Aufmerksamkeit von ihnen zu bekommen. Wenn sich Kinder respektiert und gesehen fühlen, haben sie ebenfalls mehr Lust, uns Dinge anzuvertrauen.
  • Authentizität: Wir kommunizieren meist unbewusst viel über unsere Mimik und Gestik. Deshalb sollten wir uns immer so verhalten, wie wir uns auch gerade fühlen. Wir müssen nicht aus erzieherischen Maßnahmen schimpfen, wenn wir die Situation gerade eher lustig finden. Wenn wir uns ärgern oder hilflos fühlen, dürfen wir das aber auch äußern- möglichst in Ich-Botschaften.
  • Spielerisch kommunizieren: Gerade beim Aufräumen kann es helfen, mit Humor an die Sache heranzugehen und ein gemeinsames Spiel daraus zu machen. Zum Beispiel „Wie viele Sekunden dauert es, bis alle Spielsachen in der Kiste sind?“
  • Wahlmöglichkeit bieten: Statt einem Befehl zu äußern, können wir auch in Situationen, die zunächst keine Alternative ermöglichen, den Kindern ein Gefühl von Mitbestimmung geben. Zum Beispiel, wenn es Zeit fürs Bett ist. Statt: „Du gehst jetzt ins Bett“, kann es heißen „Möchtest du heute ein Hörspiel hören oder ein Buch lesen vor dem Schlafen?“
  • Selbstverantwortung unterstützen: Wir können bestimmte Situationen auch als Moment des Lernens nutzen und unseren Kindern Konsequenzen ihres Handelns erklären. Bleibt beispielsweise der Filzstift offen, können wir statt zu meckern, ihnen erklären, dass der Stift schnell austrocknen, wenn er nicht geschlossen wird.
  • Geduld: Manchmal verstehen unsere Kinder nicht sofort, was wir von ihnen möchten. Laut zu werden bringt uns hier nicht weiter. Aussagen zu verstehen ist ein Lernprozess. Ruhig und bestimmt zu kommunizieren ist dabei immer zielführender.
  • Klarheit: Wenige, verständliche Worte, die wir ruhig und langsam an unsere Kinder richten, verstehen sie besser als komplexe Formulierungen, die sie erst deuten müssen. Wenn wir bereits einen Plan im Kopf haben, brauchen wir auch keine Frage stellen, sondern können diesen klar kommunizieren. Statt „Wollen wir jetzt Zähne putzen gehen“, können wir dann sagen „Nach dem Spiel gehen wir Zähne putzen“.
  • Metakommunikation: Bedeutet, mit unseren Kindern über die Gesprächsatmosphäre zu sprechen. Hören sie uns gerade nicht zu, können wir sie also statt sie anzuschreien sie auch anschauen und ihnen sagen, was wir wahrnehmen: „Ich habe das Gefühl du hörst mir nicht zu“. Schreien sie uns an, können wir hier ebenso reagieren mit „Ich möchte nicht, dass wir so miteinander sprechen“.
  • Gefühle begleiten: Manchmal fällt es uns auch schwer, die kindlichen Bedürfnisse richtig zu deuten, weil sich unsere Kinder (noch) nicht mitteilen können. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Kinder in ihren Gefühlen empathisch begleiten und ihnen einen Umgang damit aufzeigen. Sie sollen ihre Emotionen ausdrücken dürfen, denn sonst nimmt es sie mit nach innen, wo sie mehr Schaden anrichten können.

Wenn wir gewaltfrei mit unseren Kindern kommunizieren, können wir sie stark machen. Sie lernen, dass sie geliebt werden und sich (in einem vorgegebenen Rahmen) frei entfalten und mitreden dürfen. Sie spüren, dass wir ihre Bedürfnisse ernst nehmen und dadurch lernen sie auch selbst, ihre Bedürfnisse besser zu verstehen und mitzuteilen. Wir leben ihnen damit vor, wie man mit seinen Mitmenschen empathisch und wertschätzend kommuniziert.

All diese Werkzeuge, können uns in der Kommunikation mit Kindern helfen. Nichtsdestotrotz gibt es auch Situationen, in denen es uns schwerer fällt, auf dieser gewaltfreien Ebene zu kommunizieren. Vermutlich haben wir alle schon einmal eine Situation erlebt, in der uns unsere Kinder verbal verletzt oder auf die Palme gebracht haben. Wie können wir mit solch einer Situation gut umgehen? Manchmal können Worte wie Waffen sein. Nicht nur die Worte, die wir an unsere Kinder richten, sondern auch die, die unsere Kinder an uns richten. Wenn sie mit ihren Worten „wunde Punkte“ treffen und damit alte Wunden öffnen, die uns verletzen. Wenn wir hier nicht achtsam sind, reagieren wir mit der Stimme unseres inneren Kindes – und Triggerpunkte aus unserer Kindheit werden stimuliert. Wenn wir also solche Momente verspüren hilft es, wenn wir uns bewusst regulieren. Wichtig ist, dass wir in dem Moment gut für uns sorgen, dass wir uns beruhigen, bewusst atmen und bei Bedarf die Situation kurz verlassen. „Mein Schatz, Mama geht kurz in den Garten, ich muss durchatmen. Ich bin gleich wieder für dich da und dann besprechen wir alles!“ Denn all diese Momente, die uns selbst persönlich treffen, haben ausschließlich mit unseren Erfahrungswerten aus der Vergangenheit und nicht mit unserem eigenen Kind oder der eigentlichen Situation zu tun. Wenn dich dein Kind also scheinbar besonders wütend macht, dann darfst du dafür dankbar sein, denn es scheint dein bester Spiegel zu sein und dir damit aufzuzeigen, dass du noch einige Baustellen aus deinem eigenen Leben aufzuarbeiten hast.  Es hilft, wenn wir uns bewusstmachen, dass uns unsere Kinder nicht mit Absicht verletzen oder ärgern wollen. Mit allem was sie sagen, kommunizieren sie ein nicht gesehenes Bedürfnis. Sollten wir uns nicht regulieren können und doch mal laut oder verletzend werden, können wir uns hier auch hinterher bei unseren Kindern entschuldigen. Statt sie für die verletzenden Worte zu bestrafen, können wir hier im Anschluss den Konflikt altersgemäß nachbesprechen.

Fazit
Um die Kommunikation mit unseren Kindern zu verändern, müssen wir verstehen, dass unsere Kinder ein Recht darauf haben, auf Augenhöhe behandelt und begleitet zu werden. Wir sind gewohnt, dass wir als Erwachsene besser wissen (müssen), wie das Leben funktioniert und unseren Kindern vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Wenn wir gewaltfrei kommunizieren wollen, müssen wir unseren Kindern auf Augenhöhe begegnen und auch Verständnis für ihr Verhalten entwickeln. Hierfür lohnt es sich, sich mit den unterschiedlichen Entwicklungsphasen (Autonomiephase, Trotzphase und Wackelzahnpubertät) auseinanderzusetzen. Wir dürfen „Nein“ zu einem Verhalten sagen und gleichzeitig „Ja“ zu den daraus entstehenden Gefühlen unserer Kinder. Wir dürfen uns über ihr Verhalten ärgern und gleichzeitig für sie da sein und sie trösten. Gefühle anzuerkennen ist deshalb wichtig, damit unsere Kinder wissen, dass wir ihr sicherer Hafen sind und sie unserer elterlichen Macht nicht ausgeliefert sind indem wir ihre Gefühle bestrafen.

Natürlich sind wir und unsere Kinder auch nur Menschen und die aufgezeigten Tipps können auch mal nicht funktionieren. Setzt euch hier nicht unter Druck oder macht euch Vorwürfe, weil es nicht immer so klappt, wie ihr es euch wünschen würdet. Die Tatsache, dass du gerade hier sitzt und diesen Blogbeitrag liest, zeigt wie groß dein Interesse daran ist, mit deinen Kindern kindgerecht zu interagieren und das ist toll. Außerdem gibt es Situationen, in denen schnell gehandelt werden muss, wenn es zum Beispiel um eine Gefahrensituation geht. Hier braucht es klare und kurze Anweisungen. Dennoch sollten wir darauf achten, Vorwürfe, Schuldzuweisungen und Erpressungen zu vermeiden, wenn wir selbstbewusste und achtsame Wesen großzuziehen möchten.

Unsere Kinder sind NIE gegen uns, sondern immer FÜR SICH. Wenn unser Kind in den Widerstand geht, dürfen wir das erstmal validieren. Denn hinter jedem Widerstand steckt auch eine Botschaft, also ein Bedürfnis, die es gilt herauszufinden. Vielleicht hat unser Kind gerade keine Kapazität oder versteht den Sinn des Auftrags (altersbedingt) nicht. Darüber hinaus müssen wir verstehen, dass Kinder widersprechen DÜRFEN, um ihrem eigenen Urteilsvermögen zu vertrauen.

Beispiel: ZIMMER AUFRÄUMEN auf Augenhöhe

Mama: „Räumst du bitte dein Zimmer auf?“

Kind: „Nein, Mama. Ich habe keine Lust!“

Mama: „Okay, dass verstehe ich gut. Ich habe eine Idee, wir spielen noch eine Runde Karten und räumen dann gemeinsam auf? Klingt das gut?“

Kind: „Ja, das ist gut!“  

Beispiel: ZIMMER AUFRÄUMEN nicht auf Augenhöhe

Mama: „Wie sieht es denn hier aus? Räum dein Zimmer auf, sofort!“

Kind: „Nein, Mama. Ich habe keine Lust!“

Mama: „Das ist mir ehrlich gesagt total egal, ob du dazu Lust hast. Ich bin deine Mama und wenn ich dir sage, dass du aufräumst, dann machst du das!“

(In dem Moment, in dem das Kind sagt „Nein, ich habe keine Lust!“ und wir wütend werden oder uns getriggert fühlen, wird unser inneres Kind wachgerüttelt, dass uns zuflüstert „Hey, da nimmt dich jemand nicht ernst, so wie damals als DU klein warst und wolltest das man dir zuhört und es niemanden interessiert hat!“ Wir werden wütend, laut und vehement. Wir verlassen die Ist-Situation und agieren aufgrund uns anerzogener Verhaltensmuster.

Die Konsequenz: Unser Kind geht in den Widerstand, fängt an zu schreien oder rennt weg. Wir fangen an zu drohen: „Entweder du räumst dein Zimmer auf oder du kannst dein Eis heute Nachmittag vergessen!“ (Wir drohen und erpressen, fühlen uns autoritär und haben das Gefühl, die Situation „gemeistert“ zu haben).

Kind: Räumt weinend das Zimmer auf.

Wir Erwachsene dürfen also verstehen und akzeptieren lernen, dass ein Wunsch oder eine Bitte unsererseits von uns auch erstmal ein Wunsch bleiben darf, den es zu besprechen und abzuwägen gilt. Unsere Kinder sind keine Roboter, keine ferngesteuerten kleinen Kreaturen, die auf die Welt gekommen sind, um uns und anderen zu gefallen.

Wenn sie das nicht lernen, wird es ihnen später schwerfallen, gesunde Grenzen zu setzen und für sich einzustehen. Und wenn wir ehrlich sind, ist es doch das was wir unseren Kindern mitgeben möchten. Dass sie laut werden und NEIN sagen, wenn es darauf ankommt. Wie sollen sie es lernen, wenn auf Widerstand und Grenzen, Liebesentzug oder eine andere Form von Bestrafung und Unverständnis folgt? 

 

Quellen:

Easy Tutor (2022): Sechs Tipps zur Kommunikation mit Kindern

Gernot Körner  (2021): Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern : So geht’s

Daniela Liebich (2014): Kommunikation – Mit Kindern sprechen. Die richtigen Worte finden

Susannah (2022): Kommunikation mit Kindern – Der Montessori-Weg

Starke Kids (2023): So gelingt gewaltfreie Kommunikation mit Kindern

Instagram Accounts: welt_von_unten & hannah.blankenberg

 


2 Kommentare

  • Savina

    Großartig geschriebener Blog…regt definitiv dazu an über den eigenen Erziehungsstil nachzudenken und ihn zu überdenken. Vielen Dank dafür.

  • Nicki

    So so so wundervoll geschrieben wie immer, ich würde mich so gerne mal mit euch unterhalten o. austauschen.
    Lg


Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte beachten Sie, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von Google.